Akute Bedrohung des sozialen Selbst: Scham, soziales Selbstbewusstsein und Kortisolaktivität
Zielsetzung:
Die von uns vorgestellte Theorie der sozialen Selbsterhaltung ("self preservation theory") stellt die These auf, dass Situationen die unser "soziales Selbst" gefährden (also unseren sozialen Wert oder Rang), ein stärkeres Gefühl von niedrigem sozialen Wert (Scham) hervorrufen, wie auch ein Verlust von sozialem Selbstbewusstsein und erhöhte Kortisolmengen. Um unsere Annahme zu verifizieren wurden kognitive, emotionale und physiologische Reaktionen während Stresstests im Labor unter An- bzw. Abwesenheit einer "Bedrohung des sozialen Selbst" verglichen und ausgewertet.
Methoden:
Emotionen, Selbstvertrauen, Herzfrequenz, Blutdruck und Kortisol im Speichel wurden prä- und poststress bei 81 Personen gemessen und verglichen. Diese wurden zufällig ausgewählt und mussten Aufgaben aus den Bereichen Sprache und Arithmetik einmal in Anwesenheit (n=41) bzw. Abwesenheit (n=40) von sozialer Bedrohung durchführen.
Ergebnisse:
Wie in der Hypothese vermutet, zeigten Teilnehmer die sozial beurteilt wurden eine größere Scham und einen stärkeren Rückgang ihres sozialen Selbstvertrauens. Weitere psychologische Stimmungen (Unruhe, Selbstvertrauen hinsichtlich der Ausführung des Tests) zeigten keine unterschiedlichen Abweichungen in Abhängigkeit vom sozialen Kontext. Bei den Teilnehmern die sozial beurteilt wurden, konnte ein Ansteig von freiem Kortisol im Speichel beobachtet werden, während bei den Teilnehmern ohne soziale Bewertung kein Anstieg zu verzeichnen war. Bei den Teilnehmern, die das grössere Schamgefühl und ein niedrigeres soziales Selbstbewusstsein während einer sozialen Bedrohungssituation hatten, waren auch die Kortisolanstiege ausgeprägter.
Schlussfolgerung:
Die Bedrohung des sozialen Selbst ist ein wichtiger Faktor für ein ausgeprägtes Schamgefühl, führt zu niedrigem sozialen Selbstbewusstsein und steigert den Kortisolanstieg bei anspruchsvollen Lesitungstests. Die Kortisoländerungen sind in diesem Kontext wahrscheinlich spezifisch mit der Wahrnehmung von niedrigem Selbstwertgefühl verbunden.
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